Traumlos... Ziellos

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One Step closer

Wenn es so sanft schneit.

Wenn der Winter in einem leichten Frühling mündet.

Wenn der Vollmond am Himmel steht.

Wenn der Wind mir in das Gesicht bläst.

Wenn ich den Sonnenaufgang betrachte.

Zu oft habe ich diese Briefe bereits begonnen. Zu oft habe ich sie nicht geschrieben, zu oft keinen Adressaten gefunden.

Die Zeit heilt keine Wunden. Im August sind es sieben Jahre. Sieben lange Jahre und in jedem dachte ich an dich, in jedem habe ich dich vermisst.

Atemu... Adam... hast du eine Ahnung davon wie sehr du mir fehlst? Vermisst du mich ebenso? Ich bete dafür, dass du einfach nur meine Zeilen liest. Du sollst wissen, dass es mir gut geht, dass ich die Chance nutze, die du mir gegeben hast, doch du hast einen Teil von mir mit dir genommen.

Stundenlang stand ich bereits an deinem Grab und dachte nach. Dachte an uns. Dachte an alles, dachte an jedes Wort, das du mir je gesagt hattest. Du hattest alles gewusst. Du hattest immer alles gewusst. 

Man bereut niemals Etwas, das man getan hat, sondern nur die Dinge, die man nie getan hat. 

Ich hätte für dich da sein müssen. Am Ende hätte es rein gar nichts geändert, aber ich würde es jetzt nicht bereuen so stur geblieben zu sein. Vielleicht hätte ich letzte Erinnerungen mit dir haben können oder vielleicht einen letzten Kuss, bei dem du ein letztes Mal gegen meine Lippen hauchst. Bei dem du ein letztes Mal mir danach in die Augen blickst.

Du fehlst mir so sehr. Mit dir ging ein Teil meiner Seele. Niemals werde ich mich ganz fühlen, solange du mir fehlst. Trotzdem bin ich glücklich und deswegen fühle ich mich so schuldig. Nach dem was ich getan habe, sollte ich nicht glücklich sein. 

Immer wieder rede ich mir ein, dass es dir gut geht, dass du noch lebst, aber der leblose kalte Stein, die harte Erde, sie machen mir klar, dass es da kein Leben mehr gibt. All unsere gemeinsame Zeit habe ich in meinen Erinnerungen immer wieder durchlebt. Regelmäßig rufe ich mir deine Stimme in Erinnerung, um sie nicht zu vergessen und wenn ich das Gefühl habe, dass ich mich nicht mehr an den Klang erinner, dann höre ich mir die Kassette an.

Das Gefühl nur noch ein Schatten meiner selbst zu sein lässt mich nicht los. Ich habe so viel verloren, Nichts gewonnen. Die Erkenntnis, dass es keinen Sieg gibt, dass es nur den Kampf gibt, es ist so bitter. Und nun sitze ich hier, will glücklich sein, wandte allem den Rücken zu. Nur die Erinnerungen verfolgen mich wie ein Gespenst. Wie Ebenezer Scrooge und du bist mein Bob Cratchit. 

Nacht für Nacht träume ich davon, durchlebe alles und immer wieder kann ich alles rechtfertigen, jedoch nicht vor mir. Wie gern hätte ich die Chance nur einmal mit meinem jüngeren Ich zu sprechen, aber das ist Wunschdenken. Realismus quält mich, treibt mir meine Träume aus.

Vor einigen Tagen schneite es solch feinen Schnee, wie in der einen Nacht, als wir durch den Wald jagten. Ich spürte wieder, wie die Äste unter meinen Füßen knackten, wie mein Herz raste. Ich höre wieder deinen schweren Atem an meinem Ohr, höre mein Blut in den Ohren rauschen. Ich spürte für einen Moment wieder deine Wärme, spürte das Adrenalin. Doch noch bevor ich die Erinnerung festhalten konnte, war sie verschwunden. 

Die Kette, die im Jenseits auf mich wartet, muss so unendlich schwer sein. Die Kette, die du jetzt tragen musst, muss so unendlich schwer sein. 

Kurz nachdem du gegangen warst, traf ich deinen Bruder. Stumm standen wir nebeneinander, ehe er mich ansprach.

"Dich kenn ich doch?", fragte er mich mit diesen Augen, die mein Herz zerrissen. Stumm nickte ich. Stille. Mit den Worten "Er hat dich sehr geliebt", drehte er sich von mir und ging. Seit diesem Moment wirkt es, als würde ein unsichtbarer Pakt zwischen uns bestehen, uns nie wieder zu sehen. 

Das erste Mal in meinem verfuckten Leben scheint Alles gut zu laufen! Das erste Mal bin ich nicht nur für einen Moment glücklich. Dieses Mal mischt sich keiner ein. Und ich? Ich fühle mich schuldig, weil ICH es sein sollte! Ich habe es doch verdient dort zu liegen! Du warst so schlau, du warst so wunderbar und du hättest mehr Gutes getan, als ich es je tun könnte. 

Und wieder hallen deine Worte durch meine Gedanken! Wie oft hast du mir gesagt, ich sei kein schlechter Mensch? Wie oft hast du wiederholt, ich sei der bessere Mensch von uns Beiden?

Frust. Wie gerne ich jetzt Dinge kaputt machen würde! 

Das, was er nie brechen konnte, ist nun gebrochen, als ich sah, wie ein Sarg hinab gelassen wurde in ein dunkles, einsames Grab. Zusammen mit der Blume warf ich einen Teil von mir selbst zu dir, damit es dich begleiten konnte, egal wohin du gegangen bist.

Ich bin das erste Mal glücklich, so wie es ein gesunder Mensch sein sollte, doch brennt mein Herz unter den glühenden Ketten der Einsamkeit, die noch immer darum geschnürt sind. Den Schlüssel warf ich dir hinterher.

Wie sehr ich mir wünsche, dass Etwas passiert, damit ich dich wiedersehe. Nur einmal. Ich will wissen, ob alles noch so real ist, wie es mir heute vorkommt. Ich will wissen, ob deine Berührungen noch die Gleichen wären, deine Haut noch immer so heiß, doch gleichzeitig zieht die Schuld an mir. So etwas überhaupt zu wünschen, wo ich doch glücklich sein muss!

Adam, nachdem du fort warst, fühlte ich mich so leer. Eine ganze Woche verließ ich nicht das Bett. Noch viel länger sprach ich mit keinem und erst vor zwei Jahren brachte ich es fertig mein Schweigen über dich und mich zu brechen. Ich brachte es fertig das erste Mal mit Jemanden über meinen Schmerz zu sprechen. Jedoch war es wie ein Schuldeingeständnis und nun höre ich die Ketten klirren, die Schmiede heizen.

Der Grund, warum ich keine Angst vor dem Tod habe, ist:

Ich weiß, dass du auf mich wartest.

All diese Gedanken quälen mich, jeden einzelnen Tag und ich will sie abtöten. Ich will glücklich sein. Du bist nun nicht mehr hier und ich vermisse dich jeden einzelnen Tag, aber nach sieben Jahren habe ich gelernt, dass die Zeit keine Wunden heilt, aber irgendwann gewöhnt man sich an den Schmerz. Irgendwann wird die Wunde ein letztes Mal aufreißen und mich töten, doch bis dahin behalte ich dich in liebevoller Erinnerung und versuche glücklich zu sein, denn mein neuer Partner hat es verdient.

Bitte denk daran:

Wenn der Wind in den Blättern rauscht.

Wenn der August sich dem Ende zuneigt.

Wenn ich einsam bin.

Dann widme ich meine Gedanken dir.

30.1.13 21:28

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Yikarur (30.1.13 21:44)
wb !

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