Traumlos... Ziellos

Freunde


Gratis bloggen bei
myblog.de



Erinnerungen

Ich empfinde "anfangen" immer als das Schwerste. Man weiß nicht, was einen erwartet. Bei Anfängen kann man nur eine grobe Skizze haben, von dem was kommt. Spätestens auf der Hälfte des Weges muss man sie zerreißen und wegwerfen, weil sowieso alles anders gekommen ist.

An meine Kindheit erinnere ich mich nur bruchstückhaft. An vieles, das bis zur 8. Klasse passiert ist, erinnere ich mich nur schwach. Nach meinem Zusammenbruch hatte mein Gehirn einfach alles gelöscht, was es nicht mehr wissen wollte und mit all den Jahren bin ich mir nie sicher geworden, ob ich mich an wirklich alles erinnere. 

Woran ich mich noch erinnere ist mein bester Freund von damals. Sein Geruch, wie er aussah, wie er nachts immer schlief. Ich erinnere mich auch noch, als ich das erste Mal bei ihm übernachtete (ich war vielleicht 6 oder 7), da weinte ich furchtbar, weil ich heimweh hatte. Heimweh ist etwas, das einen einfach übermannt und man kann nicht einmal sagen, was genau man eigentlich vermisst. Ob es nun die Laute des Fernsehers sind aus dem Wohnzimmer, wo die eigene Mutter sitzt und man sich einfach beschützt fühlt. Oder sei es der Geruch. Dieser ganz eigene Geruch, der einem Geborgenheit verspricht. Oder die Kissen, die nach dem Waschmittel und dem Parfum meiner Mutter riechen. 

Ein anderes Erlebnis war, als wir umzogen. Ich hatte mich doch sehr darauf gefreut. Etwas Neues erleben, neue Freunde! Doch als wir losfuhren im Auto, da sah ich meine Freunde hinter mir und sah ihre traurigen Gesichter. Zu kaum oder niemanden mehr habe ich Kontakt. Letzendlich, weil wir anders geworden sind. Wir haben uns entwickelt und das nicht zusammen. Das, was uns geblieben ist, ist die Erinnerung an unsere Kindheit. 

Noch 22 Tage, dann werde ich wieder in ein Auto steigen und zu neuen Ufern aufbrechen. Mein Name wird an einem anderen Klingelknopf stehen, mein Herz wird ein neues zu Hause finden. Und wieder ist es wie damals. Ich freue mich unheimlich darauf. Endlich jeden Abend neben Sascha einschlafen. Nie wieder so lange von ihm getrennt sein! Doch schwingt irgendwo Angst mit, denn ich kann so viele Skizzen machen von unserem Leben in den nächsten Jahren, wie ich will. Mir ist klar, dass ich sie auf der Hälfte des Weges zerreißen muss. Und ich denke ich werde Heimweh haben, wenn nicht ausufernd, so werde ich bestimmte Dinge einfach vermissen. Wie das Klackern der Schuhe meiner Mutter auf dem Parkett. Der Geruch nach Chanel Nummer 5, nachem sie duschen war. Das Husten von Tine, das immer einläutet, dass sie zu Hause ist. Morgens mich mit dem Gedanken aus dem Bett zu quälen, dass ich meine Freunde in gut 2 Stunden sehen werde. Die Pausen in o.07. Den Mathe Unterricht, den ich nur überlebte, weil Marcel mich immer zum Lachen brachte, Beni mir immer half und Dany mir die Stärke gab weiterzumachen. Geschichte werde ich vermisse, weil es jedes Mal ist, wie eine Detektivjagd nach der richtigen Antwort und das gute Gefühl, wenn man sie gefunden hat. In Französisch darüber nachzudenken, wie ich meine Lehrerin am unauffälligsten umbringen könnte. Deutsch, wie ich mich immer melde als Erste und dann doch die Letzte bin, weil ich sowieso schon die Antwort kenne und ich werde es vermissen Mücke fertig zu machen. Nachmittags nach Hause kommen, gestresst von den Hausaufgaben, schon wieder lernend für die nächste Klausur und Abends dann am PC sitzen, mit Sascha schreiben oder telefonieren, mit meinen Freunden schreiben und uns sinnfreie Bilder schicken. Und dann die spontanen Aktionen. "Komm, lass mal zu Abimesse gehen!" "Ok. Wir treffen uns dann 14 Uhr am Ziegelhof!" 

Ich werde keine Menschen vermissen, denn die, die ich wirklich liebe, die werden immer da sein, aber ja, ich werde selbstverständliche Dinge vermissen. Wie Sonjas Gesicht in der Masse zu entdecken und mich zu beeilen, weil ich zu spät dran bin. Morgens Isabelle zu begegnen und mit ihr zu quatschen.

Es sind nicht die Menschen, die ich vermissen werde, sondern die Dinge, die ich nur noch eingeschränkt mit ihnen machen kann. Kontakt werde ich zu einigen wohl noch ewig haben, wie zu Daniela, die seit Jahren zu einer Art Zwillingsschwester geworden ist und mein Leben miterlebt hat. 

 Natürlich ist mir klar, dass ich andere wundervolle Dinge erleben werde. aber ich werde nicht bei der Geburt meines Neffen dabei sein. Das sind Kleinigkeiten, die einem erst auffallen, wenn es fast zu spät ist.

Wenn ich ehrlich bin, dann habe ich furchtbare Angst. Angst davor einen riesigen Fehler zu machen. Es passt einfach nie in meinen Kopf rein, dass mich ein Mensch so bedingungslos lieben kann. Ich habe Angst, dass unsere Beziehung das verliert, was sie am Leben erhielt. Sehnsucht, die dadurch entstand, dass wir so weit voneinander entfernt waren. Ich habe Angst, nicht glücklich zu werden. Wieder auf Menschen zu stoßen, auf eine Denkweise, die ich nicht verstehe. Mein Leben beginnt in 22 Tagen neu und ist es nicht nur natürlich, dass ich davor Angst habe? Was mich im Zaum hält, um nicht laut schreiend durch die Gegend zu rennen, ist zum einen die Tatsache, dass ich es mir gar nicht erlauben kann bei der gesamten Lernerei, die nun noch vier Tage vor mir liegt und zum Anderen ist es, weil mein Gefühl mir sagt, dass es das Richtige ist.

Ängste sind da, damit wir sie überwinden können.

Neuanfänge sind gut, damit wir wachsen können.

Erinnerungen sind gut, damit wir wissen, woher wir kommen.

Wahrscheinlich werden mir noch viel zu viele Kleinigkeiten einfallen, wenn es schon zu spät ist, aber endlich habe ich die Chance auf ein stabiles Leben, denn Sascha ist stark genug um mich zu fangen, wenn ich schwach werde. Er ist mein Fels in der Brandung geworden und die größte Liebe meines Lebens.

Irgendwie fühle ich mich wie Arielle, die auch ihre Heimat für ihre Liebe zum Land, zu einem Mann aufgegeben hat. Ich gebe im grunde das Land auf, für einen Mann und für die Liebe zum Wasser (,denn Hamburg ist ja eine Wasserstadt). 

Da ist nicht die Angst, dass ich es nicht schaffen könnte, sondern vielmehr die Angst, dass ich meine Freunde und Familie so sehr vermisse, dass ich nicht weiter machen will. 

Ob es sich lohnt alles aufzugeben für die große Liebe, für Mr. Big, das werde ich rausfinden müssen. Und wenn es sich lohnte, dann bin ich Teil einer dieser fantastischen Märchengeschichten von Mädchen, die ihre Jugendliebe heirateten und ihre goldene Hochzeit feiern. Und wenn es nicht klappt, dann habe ich wenigstens gelernt, was es heißt alles für die Liebe zu geben, was man hat. Und bedingungslos zu lieben und geliebt zu werden.

Nur die Zeit heilt Wunden, bringt Erfahrung, Erkenntnis und zeigt einem, wie wichtig die Dinge sind.

Niemals werde ich es bereuen einen meiner Freunde kennen gelernt zu haben, am wenigsten Sonja oder Daniela, die mich hoffentlich auch auf meinem weiteren Weg begleiten werden und sie zu meiner Hochzeit, meinem ersten Kind und allem, was mir wichtig ist, da sein werden, weil ihr beide dürft mein Leben nicht verlassen, sonst würde ich einfach wichtige Grundpfeiler meiner Stärke verlieren.

Das Leben besteht nicht nur aus Liebe. Sie besteht auch aus Freunden. Und Freunde sind die Familie, die wir uns ausgesucht haben. Und Familie liebt man.

Für den Fall, dass sich unsere Wege trennen, vielleicht in 22 Tagen, aber vielleicht in 2 oder 3 Monaten, dann bleiben uns die gemeinsamen Erinnerungen und die Momente leben in unserem Herzen weiter. 

6.5.10 08:31

Letzte Einträge: Überschäumende Gefühle, Eine Liebeserklärung

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(6.5.10 19:21)
Meine liebste Evi,
wieder ein Mal hast du es geschafft, mich heulend vor dem Rechner hocken zu lassen.
Trotz der Tatsache, dass ich ihn 2 Mal gelesen hab.. >.>
[ & den Rest siehe Blog..]

Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung